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Deutschland - Geschichte

Geschichte und Bedeutung der Adelstitel

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Was ist ein Erzherzog, was ein Bischof und was ein Kurfürst? Die Bezeichnungen der Adelstitel, Ränge und Funktionen sind für die meisten Zeitgenossen kaum oder nicht zu unterscheiden. Der Grund dafür ist aber nicht allein, dass diese Titel heute keine Bedeutung mehr haben, sondern es entstanden im Verlauf der Jahrhunderte auch immer wieder neue Rangbezeichnungen. Der Adel im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und später in den Staaten des Deutschen Bundes schuf so eine immer umfangreichere Hierarchie.

Noch komplizierter wird die Sache, da die Adelstitel sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Während zum Beispiel die Begriffe König und Herzog hauptsächlich für den Rang stehen, werden mit Kurfürst und Erzbischof eher Funktionen bezeichnet. Ein Herzog oder ein Bischof konnte zugleich auch ein Kurfürst sein. Doch der Herzog vererbte seinen Kurfürstentitel in der Regel, ein Bischof hingegen nie (konnte er wegen des Zölibats zumindest offiziell auch nicht).

Um die Einteilung der Adelstitel besser verständlich zu machen, geht der Blick erst einmal 1.000 Jahre zurück. Im Jahre 955 siegte der Ostfränkische König Otto I. über die Ungarn. Daraufhin wurde der aus einem sächsischen Adelsgeschlecht stammende König vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. Das gilt als der Beginn der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Damals war die Aufteilung der Adelstitel noch sehr übersichtlich.

Die Hierarchie des Adels im Mittelalter vor über 1.000 Jahren:

  • Kaiser: Vom Papst zum Kaiser gekrönter König, als Oberhaupt des neu gegründeten Römischen Reiches.
  • König: Oberhaupt eines fränkischen Teilstaates, musste von Reichsfürsten bestätigt oder gewählt werden.
  • Herzog: Ursprünglich als Heerführer gewählter Stammesfürst, später durch königliches Lehen eingesetzt.
  • Graf: Durch königliches Lehen eingesetzter Regionalfürst.
  • Vogt: Verwalter kirchlicher Güter.
  • Ritter: Privilegierter berittener Soldat.

So einfach war das damals noch. Doch schon Kaiser Otto I. und seine Vorgänger vergaben Landbesitz bzw. Lehen auch an Bischöfe, die ja eigentlich nur für das Seelenheil der Bevölkerung zuständig waren. Dadurch wurden diese kirchlichen Würdenträger den Fürsten gleichgestellt. Außerdem gab es im Kaiserreich des frühen Mittelalters noch kein Nebeneinander von Kaiser und König. Beide Ämter und Titel befanden sich in einer Hand. Erst 1198 gab es mit dem König von Böhmen einen ersten solchen Untertan des Kaisers.

Interessant ist außerdem, dass anfangs viele Herrscher noch durch eine Wahl an die Macht kamen. Das galt für die Könige und ursprünglich auch für Herzöge. Die Grafen wurden hingegen vom König aus dem Kreis der Ritter ernannt und die Ritter aus dem Kreis kampferprobter freier Männer ausgewählt. Es gab also gar nicht so große Unterschiede zu heute, obwohl der an den Wahlen beteiligte Personenkreis deutlich kleiner war. Die konsequente Vererbung von Adelstiteln setzte sich erst später durch.

Für die Wahl des Königs war ein genau festgelegter Personenkreis zuständig. Dieser kürte den König, weshalb deren Mitglieder Kurfürsten hießen. Jahrhundertelang bestimmten sieben Personen, wer der neue König und damit auch Kaiser wird. Mit der Entstehung der Erbmonarchie der Habsburger Kaiser wurde diese Funktion allerdings bedeutungslos. Zu den Kurfürsten gehörten auch die seit dem Ende des Investiturstreits nur noch vom Papst eingesetzten Bischöfe von Mainz, Köln und Trier, die als Erzbischöfe bezeichnet wurden.

So wie einige Bischöfe zu Erzbischöfen wurden, so entstanden auch für den Adel zusätzliche Ränge, die ebenfalls ihren Ursprung in deren Funktion hatten. Einige Grafen wurden so zu Pfalzgrafen, andere zu Landgrafen und Markgrafen. Nun gab es auch innerhalb der Grafen eine Hierarchie, in die zum Teil auch das Amt des Vogtes aufstieg. Im Rang der Grafen zu den Herzögen und Rittern änderte sich aber nichts.

Die Ränge der Adelstitel bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation:

  • Kaiser: Der Kaiser stand an der Spitze des Staates.
  • König: Das Amt nebst Titel befand sich meist in Personalunion mit dem Kaiser. Daneben gab es aber auch den König von Böhmen und seit 1772 den König von Preußen (ab 1701 König in Preußen).
  • Herzog: Hier hatten die zugleich mit der Kurwürde ausgestatteten Kurfürsten einen höheren Rang. Außerdem bezeichneten sich die aus dem Hause Habsburg stammenden Prinzen der Kaiser als Erzherzöge (zum Stammland wurde das Erzherzogtum Österreich).
  • Bischof: Das ist kein Adelstitel. Bischöfe gehörten stattdessen zum Klerus, wie alle Angehörigen des geistlichen Standes. Als Erzbischöfe und Fürstbischöfe waren sie aber auch Territorialherrscher und dem Hochadel gleichgestellt. Meist entstammten sie diesem auch.
  • Graf: Auch einige Grafen besaßen die Kurwürde, wie der Pfalzgraf bei Rhein und der Markgraf von Brandenburg. Sie standen damit über den Landgrafen, den Markgrafen und den Grafen.
  • Vogt: Ursprünglich waren die Vögte weltliche Repräsentanten von Kirchengütern. Als vom Kaiser eingesetzte Landvögte hatten einige aber die Machtvielfalt von Grafen. Obwohl die Territorialrechte weitervererbt wurden, gilt die Funktion eines Vogtes aber nicht als Adelstitel.
  • Abt: Ähnlich wie bei den Bischöfen handelt es sich hier nur um die gewählten Vorstände der Klöster. Doch manche Klöster waren auch Territorialmächte, wodurch einige Äbte wie Adelige residierten. Zwar stammten viele Äbte aus dem Adel, doch die Bezeichnung Abt stand immer nur für die Funktion. Ein Abt gehörte nicht zum Adel, sondern ebenfalls zum oben erwähnten Klerus.
  • Freiherr: Ein Ritter mit Lehen wurde als Freiherr bezeichnet. Freiherren außerhalb des Kaiserreiches hießen auch Barone.
  • Herr und Landmann: Hierzu gehörten männliche Angehörige des titulierten Adels, z.B. Söhne von Grafen und Freiherren.
  • Ritter: Ursprünglich handelte es sich hier um gepanzerte Soldaten auf dem Pferd. Die Zugehörigkeit zu dieser Elitetruppe, also zur Aristokratie, war der erste Schritt für den Aufstieg in den Adel. Später konnte man den Titel auch ohne militärischen Hintergrund erwerben.

Mit der Herrschaft von Napoléon Bonaparte, der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 und insbesondere beim Wiener Kongress boomte die Vergabe neuer Adelstitel. Andere hingegen eiferten Napoléon mit Selbstkrönungen nach*. Großherzöge standen nun in der Rangordnung über den Herzögen und aus dem ursprünglichen Oberbegriff für den höheren Adel entstanden solche Titel wie Fürst und gefürsteter Graf. Zu immer mehr Titeln gehörte auch gar kein Amt mehr, wie bei den von Königen ernannten Reichsgrafen. Außerdem wurde Europa von neu gegründeten Königreichen überschwemmt: eine maßlose Übertreibung, die irgendwie schon anzudeuten schien, dass alles bald mit einem Riesenkrach in sich zusammenbricht. Gleichzeitig verlor aber der rangniedere Adel seine Bedeutung.

Übrigens gibt es in anderen Ländern nicht unbedingt die gleichen Adelstitel wie in Deutschland. Sie sind oft nur ähnlich. Zum Teil gab es aber auch gar keinen nennenswerten Adel, wie in der Schweiz, die ihre Grafen schon ab dem 14. Jahrhundert außer Landes gejagt hatten. Hierunter waren interessanterweise auch die Grafen von Habsburg. Sie waren schon zu Königen und Kaisern aufgestiegen, wurden aber zeitgleich in ihrem Schweizer Stammland enteignet.

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Wörterherkunft einiger Adelstitel:

Es gibt die Theorie, dass der Herzog-Begriff entstand, weil die Herzöge ursprünglich das Heer führten, also vor dem "Heer zogen" (althochdeutsch herizogo). Linguistisch sicher belegbar ist das allerdings nicht. Nachweisbar ist hingegen, dass es sich bei den Herzögen ursprünglich um germanische Heerführer handelte, die vor dem Kriegszug von den freien Mitgliedern des Stammes gewählt wurden.

Als sicher gilt die Wortherkunft für die Fürsten (althochdeutschen furisto). Auch sie zogen vor dem Heer her und waren somit immer die Ersten. Im englischen heißt "first" immer noch "erstes/erster" und auch in der deutschen Sprache gibt es noch den Dachfirst, als erste (oberste) Stelle des Daches.

Ebenso sicher ist es auch bei den Rittern: Das waren die Reiter, also die berittenen Krieger. In den lateinischen Sprachen entstand aus dem altlateinischen Begriff Caballus für Pferd, das Cavallo mit dem Kavalier als Reiter und der Kavallerie als Reiterarmee. Der Kavalier war also ursprünglich ein Ritter, der sich in Friedenszeiten intensiv mit der Schürzenjagd beschäftigte.

Weitere Ausführungen zur Geschichte:


* Vorbild für die Selbstkrönung von Napoléon Bonaparte war genau genommen der Kurfürst und Herzog Friedrich I., der sich 1701 in Königsberg selbst zum König in Preußen krönte. Die Selbstkrönungen nach der Machtergreifung Napoléons fanden hingegen alle unter der Gnade des selbst ernannten französischen Kaisers statt. Dieser sah sich selbst als der eigentliche Herrscher über große Teile der Welt.

Vergleichbar ist das heute mit dem Vorstand von Alphabet Inc. (Google), der sich als der weltweite Herrscher über das Internet sieht.



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